Es kommt nicht oft vor, dass Soulmusik auf eine Art dargeboten wird, die wirklich frisch, spielerisch, kreativ und gewandt genannt werden kann. Gerade jetzt passiert es und das auch nicht in Köln, oder viel mehr aus Ehrenfeld in die Welt.
Fleur ist eine junge Dame mit einem sehr eigenen Sinn für Texte und Melodien. Sie hat sich selbst den Nachnamen “Earth” gegeben, was in Anbetracht der Bodennähe, die sie mit ihrem Sound und ihren Worten vermittelt ausgezeichnet passt. Und doch, die Füße stehen auf dem Boden, der Kopf aber ist in den Wolken, denn wer so ungewohnt spielerisch und eigen damit verfährt einem Song seine Lyrics zu geben dem mangelt es auf keinen Fall an Fantasie. Wie sie mir im Interview erzählte (zu hören kommenden Mittwoch auf soulsender.de) sind es eh eher Bilder und Gefühle, die sie in Worte hüllt und von daher treffen Lyrik und Posie als Beschreibung bestens zu. Und dabei geht es nicht um konstruierte Hirnschwurbel, sondern um Sprache, die sich charmant an die eignen Emotionen wendet. Ich bin sehr angenehm überrascht vom spielerischen Vermögen und dem Mut solche Gedichte zur Musik zu machen. Aber, warum sollte man diesen Mut auch nicht haben, wenn man es so versteht mit der Sprache zu spielen?
Überhaupt ist “spielen” ein sehr passendes Verb, wenn man sich “Skurreal”, das erste Album von Fleur Earth, das am 8. September auf Melting Pot Music erscheint, so anhört. Ein Skizzen- und Notizbuch in Klängen und Worten, kein Stück länger als 3:11 Minuten aber voller schöner Ideen. Viele verspielt miteinander verwobene Teile und Bausteine, viel Sinn für den schönen Klang und ein gutes Empfinden für das richtige Maß von Beat und Melodie. Ausgesprochen “musikalisch” und von daher fernab dessen, was ich aus deutschen Schmieden in den letzten Jahren so an Beatproduktion gewohnt bin. Tim, aka Twit One, ist neben Hulk Hodn und The Ins in dieser Konstellation einer derer, die Betas und Instrumentals, samplebasiert mit nur einigen dazu eingespielten Versatzstücken, hinzufügt. Erlebt man Fleur mit voller Band als “Fleur Earth Experiment” fungiert er als Bassist. In beiden Fällen trägt er einen großen Anteil daran, dass Fleur mit dem richtigen und passenden Sound eingerahmt wird und das macht er ausgezeichnet, wie man auf “Skurreal” leicht hört.
Es ist schön zu sehen und zu hören, dass aus dieser Stadt einmal wieder ein Band mit Vermögen, Eigenheit und dem Sinn für das Richtige kommt, gepaart mit einem Selbstverständnis, das ein Selbstvertrauen ist, welches von einer Sicherheit und Klarheit zeugt, genau auf diese Art Musik machen zu wollen, einen sehr individuellen Ansatz, der gefallen wird, weil er gut ist, nicht weil er gefallen will. Sie nennen es selbst Straßensoul und fürwahr, wenn man auf der Labelsite Minnie Riperton und Madlib liesst und aufgefordert wird den Geist zu öffnen und sich der Trennlinien der Musikgenres zu entledigen, dann sind das richtige Annäherungen an das was Fleur Earth ist. Reinhören kann man hier schon einmal und sich in einer Woche das gute Stück als CD zu besorgen ist mehr als ratsam.
Wer sich mal anhören will, was Fleur so zu sagen hat und den ein oder anderen Song in voller Länge hören wil, der sollte am Mittwoch mal wieder reinhören: souleil ab 21h bei soulsender.de.
Und wer sich Dinge richtig gut und lange merken kann, der sollte schon einmal speichern, dass es Anfang nächsten Jahres auch ein Album des Fleur Earth Experiment, also Fleur mit voller Bandbesetzung, geben wird…aber das ist ja noch Zukunftsmusik.
4 Kommentare
Yo, davon abgesehen, dass mich einige der Beats an Dilla erinnern und sowohl Fleur, als auch FEX insgesamt ordentlich gereift sind, ist das hier zukunftsMusik!
ganz sicher ist Dilla ein Pate und das mit der Reifung kann ich nur unterschreiben.
wieso stösst man eigentlich bei jedem thema aus köln immer wieder auf die gleichen nasen?
fleur earth bald auch bei uns, übrigens.
schöne platte das.
vielen Dank für die Blumen, die Platte kommt allerdings erst vier Tage später in die Läden, am 12.9.08.. Sammler suchen außerdem die handgebrannte und auf 100 Exemplare limitierte 3″ Cd, frühe Füchse gehen zu Groove Attack, wo es Skurreal weltexklusiv bereits gibt oder bestellen bei uns im Webshop. Ende der Werbeuntebrechnung.